Über Gefühle bloggen – so geht’s!

Links steht der Text: "Gefühle: So kannst du sie auf deinem Blog verarbeiten". Rechts die Zeichnung einer Frau, die sich mit beiden Händen an den Kopf fasst, den Mund aufreißt und spiralförmige Augen hat.

Über Gefühle bloggen – da sträuben sich dir die Härchen? Oder du würdest deine Gefühle gerne auf deinem Blog verarbeiten, weißt aber nicht, wie du das am geschicktesten machst?

Dann lies unbedingt weiter. In diesem Blogartikel verrate ich dir,

  • warum es so eine tolle Idee ist, deine Gefühle auf deinem Blog auszudrücken
  • welche Artikelarten sich dafür eigenen
  • wie ich das Ganze für mich umgesetzt habe

Wie geht’s dir?

Eine simple Frage, die wir meist täglich gestellt bekommen. Überwiegend lautet die Antwort: „Gut, danke. Und dir?“

Aber geht es dir wirklich gut?

Oder sagst du das nur, weil du nicht darüber sprechen möchtest, wie es dir wirklich geht?

Oder weil du Angst hast, als Jammerlappen dazustehen, wenn du ehrlich bist?

Oder weil du befürchtest, dass es die andere Person eigentlich gar nicht wirklich interessiert?

Spür doch mal in dich selbst hinein. Wie geht es dir gerade wirklich? Jetzt, in diesem Moment. Welche Gefühle kommen hoch, wenn du einen Moment ganz achtsam deine Empfindungen wahrnimmst?

Manchmal reden wir uns selbst ein, dass es uns gutgeht, aber in Wirklichkeit schlummern da ganz andere Gefühle in uns.

Angst. Sorge. Frustration. Vielleicht auch Wut.

Wir wollen diese Gefühle aber nicht wahrnehmen, weil sie uns nur zusätzlich das Leben schwer machen. Sind die heutigen Zeiten nicht hart genug? Sollten wir nicht immer positiv bleiben?

Positives Denken in allen Ehren, aber wenn da Gefühle sind, die sich nicht gut anfühlen, wird es nicht besser, indem du sie unterdrückst und in dich hineinfrisst. Ganz im Gegenteil: Gefühle muss man rauslassen. Nur dann können wir sie verarbeiten und uns am Ende wieder besser fühlen.

Gefühle rauslassen – nur wie?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie wir Gefühle rauslassen können.

Eine Möglichkeit ist, das offene Gespräch mit einer Person zu suchen, die uns versteht. Sich einfach mal den Frust von der Seele sprechen, zum Beispiel bei einem Spaziergang oder einem leckeren Essen, tut gut.

Aber nicht immer wollen wir über unsere Probleme reden. Ich tue das zum Beispiel nur, wenn ich es wirklich nicht mehr anders aushalte. Dann rufe ich meine Eltern an und klage ihnen mein Leid. Und das ist meist sehr hilfreich und danach geht’s mir wieder besser.

Wenn es aber eine Sache ist, die nicht ganz so schwer wiegt, ich sie aber trotzdem rauslassen möchte, dann verarbeite ich meine Gefühle kreativ.

Erste Wahl ist hierbei natürlich mein Blog. Hier kann ich wunderbar Gefühle in Worte packen.

Andere Menschen malen oder zeichnen stattdessen lieber, schreiben Geschichten, Gedichte oder Tagebuch. Alles wunderbare Möglichkeiten, um seine Gefühle rauszulassen.

In diesem Artikel möchte ich aber tiefer darauf eingehen, wie man auf seinem Blog Gefühle verarbeiten kann.

Darf ich über Gefühle bloggen?

Wenn du einen Business-Blog hast, gestaltet sich das natürlich schwieriger, als wenn du einen privaten oder eine Mischung zwischen privatem und beruflichem Blog hast. Auf einem Business-Blog wollen wir ja primär unsere Kompetenz zeigen und nicht über unsere Gefühlswelt schreiben.

Aber auch da ist es möglich, stellenweise eigene Gefühle einzubauen, denn wir dürfen auf unseren Blogs Persönlichkeit zeigen.

Generell gilt: Die Frage ist nicht, DARF ich das, sondern WILL ich das?

Wenn du deinen Blog ausschließlich dafür nutzen möchtest, um Expertenartikel zu teilen, dann wird es eher schwierig. Wenn du aber durchaus auch bereit bist, deine eigene Meinung auf deinem Blog kundzutun oder persönliche Geschichten und Erlebnisse zu schildern, dann kannst du deinen Blog durchaus für unser Vorhaben nutzen.

Private Blogs leben ja ohnehin oft von Meinungsartikeln oder Erlebnisberichten. Diese eignen sich daher besonders gut, um sich den Kummer von der Seele zu schreiben. Aber dazu gleich mehr.

Kenne dein WARUM

Was du dich hier fragen darfst, ist: Was will ich mit meinem Blog erreichen? Möchte ich lediglich potenzielle Kund*innen informieren oder anderen etwas beibringen? Oder möchte ich meine Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen, bzw. mich so zeigen, wie ich wirklich bin?

Möchte ich auch Tiefpunkte und vermeintliche Schwächen ansprechen oder soll ein durch und durch positives Bild von mir gewahrt bleiben? Im Übrigen heißt es nicht, dass die Leute kein positives Bild mehr von dir haben, wenn du dich auch zu deinen Schwächen bekennst. Ganz im Gegenteil. Aber das ist ein Thema für einen anderen Blogartikel.

Auch wenn mein Blog sich vorrangig an andere stille und sensible Menschen da draußen richtet, so möchte ich auch mich selbst auf meinem Blog austoben. Ich möchte nicht nur über die Dinge schreiben, die meine Blogbesuchenden lesen wollen, sondern auch über das, was mich als introvertierter Mensch beschäftigt. Und das hat eben sehr viel mit Emotionen zu tun.

Gegen Ende dieses Blogartikels werde ich dir auch noch ein paar Beispiele für Artikel nennen, bei denen ich das so umgesetzt habe.

4 Wege, wie du über deine Gefühle bloggen kannst

Es gibt verschiedene Arten von Blogartikeln, in denen du deine Gefühle verarbeiten kannst. Inhaltlich können sie sich auch ein bisschen überschneiden und wir besitzen die Freiheit, sie zu kombinieren und zu mischen. Trotzdem möchte ich sie dir hier der Einfachheit halber einmal getrennt voneinander vorstellen.


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Der Erfahrungsbericht

Die erste Möglichkeit, wie du über deine Gefühle bloggen kannst, ist, über ein Erlebnis zu berichten, das diese Gefühle hervorgerufen hat, und wie du es gemeistert hast. Das kann ein negatives Erlebnis sein, das dich viel Kraft gekostet hat, aber auch etwas Positives, das du einfach mit der Welt teilen möchtest.

Besonders wertvoll, sowohl für dich als auch deine Lesenden, ist, wenn du am Ende deines Erlebnisberichts über ein Learning schreibst, das du aus der Situation gezogen hast. Deine Blogbesuchenden können dadurch von dir lernen und deinen Erfahrungen profitieren.

Aber auch für dich hat es einen großen Vorteil, wenn du dein Learning formulierst: Dadurch, dass du es klar in Worte fasst, wird es noch einmal viel greifbarer für dich, als wenn du es nur im Kopf hast, und du kannst es dir leichter in Erinnerung rufen, falls du einmal wieder in eine ähnliche Situation kommst.

Erfahrungsberichte helfen dir, Kontakt zu Menschen herzustellen, die ähnliches erlebt haben. Das kann überaus bereichernd sein, denn es bringt dich deinen Lesenden näher und baut eine Brücke zu ihnen. Auf diese Weise können sogar Freundschaften entstehen.

Der Meinungsartikel

Unsere Gefühle können wir auch ausdrücken, indem wir unsere Meinung über eine Sache kundtun. In der Presse spricht man hierbei von einem „Kommentar“. Wie man einen schreibt, erklärt die Website Study Smarter hervorragend.

Ein Kommentar zeigt die eigene Meinung über z. B. aktuelle Geschehnisse auf und versucht, die Lesenden mit treffenden Argumenten zu überzeugen.

Wenn du eher dazu neigst, negative Gefühle mit Humor zu verarbeiten, eignet sich die Form des Meinungsartikels, die man unter Journalisten als „Glosse“ bezeichnet. Eine gute Anleitung hierfür findest du auf Helpster. In der Glosse darfst du deiner Ironie und deinem Sarkasmus freien Lauf lassen.

Es geht darum, die eigene Meinung auszudrücken, aber eben auf überzogene, humorvolle Art. Das eignet sich optimal, um sich z. B. Ärger über etwas von der Seele zu schreiben, ohne ins Jammern zu geraten.

Meinungsartikel brauchen aber vor allem eines: Mut. Denn die eigene Meinung zu sagen, macht uns angreifbar. Es sind aber häufig auch die Artikel, die unseren Blog ins Gespräch bringen und Kommentare „provozieren“.

Natürlich werden nicht alle Kommentierenden gleicher Meinung sein, aber es können auch sehr interessante und konstruktive Gespräche entstehen, die sowohl deinen Blogbesuchenden als auch dir selbst zu innerem Wachstum verhelfen können. Wenn du anregende Diskussionen magst, empfehle ich dir definitiv, mehr Meinungsartikel zu schreiben (und wenn du üben möchtest, kritikfähiger zu werden, auch).

Der Appell

Diese Art des Blogartikels ist ziemlich selten. Appelle sind oft Teile von anderen Artikeln oder werde direkt an Menschen geschickt, zum Beispiel in Form eines Appellbriefs.

Du kannst Appelle aber auch auf deinem Blog nutzen, indem du dich öffentlich direkt an eine Person oder bestimmte Gruppe von Menschen wendest. Ein Beispiel dafür, wie ich das für mich umgesetzt habe, findest du auch weiter unten.

Besonders wirkungsvoll sind diese Appelle, wenn du sie wirklich in Briefform verfasst. Da kann auch gerne ein bisschen Ironie oder Humor mit rein, wenn dir das liegt.

Wenn du einen Appell schreibst, darfst du natürlich deutlich deinen Standpunkt ausdrücken und eine Forderung stellen. Aber bitte werde nicht ausfallend oder beleidigend. Das wirft erstens kein gutes Licht auf dich und zweitens riskierst du damit auch heftigen Ärger.

Auch mit Namen wäre ich vorsichtig, insbesondere, wenn es sich um Privatpersonen handelt. Gruppen von Personen sind leichter zu adressieren, weil sie keinen einzelnen Menschen herausheben. Und Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sind auch noch mal eine andere Sache.

Trotzdem geht es NICHT darum, eine Hasstirade auf deinem Blog zu veröffentlichen, sondern eine Bitte, eine Aufforderung. Also bleib bitte immer fair und respektvoll.

Der Tagebucheintrag

Der Tagebucheintrag ist die persönlichste Art des Blogartikels und geht auf die Anfangsjahre der Blogs zurück, als diese wirklich noch hauptsächlich als digitale Tagebücher genutzt wurden (wer erinnert sich noch?).

Aber auch heute kannst du Blogposts veröffentlichen, die einem Tagebucheintrag ähneln, bzw. in denen du ganz offen und ehrlich deine Gefühle und Gedanken schilderst.

Ich hatte früher mal einen Blog, auf dem ich regelmäßig über meine Depression berichtet habe. Jede Woche kam ein Update, wie es mir mittlerweile geht, was sich in meinem Leben ereignet hat und welche Fortschritte ich gemacht habe.

Diese Beiträge waren damals sehr beliebt bei meinen Lesenden. Ich kann allerdings nicht sicher sagen, ob diese Form der Blogartikel auch heute noch funktioniert. Sie sind auf jeden Fall schwieriger zu finden, als „Infoartikel“.

Was durchaus funktioniert, sind persönliche Rückblicke, wie Jahresrückblicke oder Monatsrückblicke, in denen es doch auch sehr persönlich werden darf, wenn das gewollt ist.

Der Vorteil an solchen Tagebuchartikeln ist, dass wir – ähnlich wie beim Erfahrungsbericht – Menschen kennenlernen können, die ähnliche Probleme haben wie wir und hilfreiches Feedback dazu bekommen können.

Blog? Oder doch Tagebuch?

Natürlich gilt es hier immer, abzuwägen, ob es hilfreich ist, einen derart tiefen Einblick in unser Leben zu gewähren oder ob unsere Gedanken nicht doch besser in einem herkömmlichen Tagebuch ohne öffentlichen Zugang aufgehoben wären.

Nehmen wir das Beispiel Depression: Früher habe ich rein privat gebloggt, sogar mit dem Schwerpunkt Mental Health, deshalb habe ich da auch offen über meinen Kampf gegen die Depression berichtet. Es hat zu meinem Blog gepasst.

Hier auf still & sensibel würde ich das aber nicht mehr so machen. Warum? Weil mein Fokus sich geändert hat und ich nicht mehr rein privat blogge. Was ich aber sehr wohl mache, ist, im Nachhinein auf depressive Phasen zurückzublicken und z. B. in meinen Monatsrückblicken zu schildern, wie ich diese gemeistert habe.

Das ist auch der Unterschied, zwischen dem Erfahrungsbericht und dem Tagebucheintrag. Ersterer wird meistens verfasst, NACHDEM man etwas erlebt hat. Der Tagebucheintrag hingegen berichtet aus der Gegenwart und ist deshalb noch etwas persönlicher.

4 Beispiele, wie ich über Gefühle geschrieben habe

Auch ich nutze meinen Blog immer wieder, um Gefühle auszudrücken. Im Folgenden findest du vier Beispiele.

Mein Geständnis: Im Lockdown bin ich aufgeblüht

Ziemlich zu Beginn von still & sensibel habe ich einen Erfahrungsbericht geschrieben, der mir viel Feedback eingebracht hat. Ich habe darüber gebloggt, wie ich als zurückhaltender Mensch den Lockdown erlebt habe. Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich nämlich nicht darunter gelitten, sondern bin geradezu aufgeblüht.

Ich fühlte mich deshalb aber ziemlich schuldig. Ich dachte, ich dürfte diese Zeit nicht genießen, weil sie so viel Leid über andere Menschen gebracht hat. Mit meinem Erfahrungsbericht schrieb ich mir diese Schuldgefühle von der Seele – ohne sie auch nur einmal zu erwähnen. Aber ich habe mich danach, vor allem auch wegen des positiven Feedbacks, deutlich besser gefühlt.

Leichtigkeit? Geht mir auf die Nerven!

Ich gebe zu: Das Wort „Leichtigkeit“ triggert mich. Und dass ich es, seit ich in der Coach-und-Mentor*innen-Bubble unterwegs bin, ständig lesen oder hören muss, macht es nicht gerade besser.

Im Februar 2022 war ich so genervt davon, dass ich meinem Ärger Luft machen wollte. Also habe ich dazu meine Meinung niedergeschrieben, mit dem Tenor: „Muss immer alles leicht sein?„.

Und ja, ich habe damit einige Coaches und Mentor*innen getriggert. Aber ich habe auch überraschend viel positives Feedback dazu erhalten und es haben sich tolle Gespräche ergeben, aus denen ich noch einiges lernen konnte.

Meine Abneigung zu dem Wort „Leichtigkeit“ ist seither auch nicht mehr ganz so schlimm. Zumindest ist meine Wut verflogen und ich bin froh, damals meine Gefühle rausgelassen zu haben.

Mehr Harmonie zwischen Intros und Extros

Ich muss zugeben, ich habe früher einen gewissen Groll gegen Extrovertierte gehegt. Ich weiß nicht, ob es Neid war oder einfach Frustration, aber ich habe nicht sonderlich nett über Extrovertierte gedacht. In den letzten Jahren habe ich mich aber intensiver mit Introversion und Extraversion beschäftigt und habe verstanden, dass ich nichts besser mache, indem ich mich gegen Extros richte.

Ganz im Gegenteil, das vergrößert die Lücke zwischen Extros und Intros nur, was am Ende wieder darin gipfelt, dass eine der beiden Gruppen benachteiligt wird.

Was ist also die Lösung? Hand in Hand, statt gegeneinander. Und genau darüber habe ich im Mai 2022 geschrieben. In meinen Blogartikel integrierte ich zwei Appelle, einen an Extrovertierte und einen an Introvertierte.

Ich habe damit meinen Frieden mit Extrovertierten geschlossen und hege seither keinen Groll mehr gegen sie. Denn am Ende des Tages sind wir doch alle nur Menschen, einzigartig und wunderbar.

Trennung nach 14 Jahren Beziehung

Wie ich oben schon erwähnt habe, werden meine Rückblicke doch manchmal etwas persönlich. Als ich meinen Jahresrückblick für 2021 schrieb, ging ich gerade durch eine sehr schwierige Zeit. Mein Partner hatte mir gestanden, dass er sich neu verliebt hatte. Nachdem wir 14 Jahre lang gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen waren, sollte nun jemand anderes meinen Platz einnehmen.

Das war sehr hart für mich und ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt in meinem Jahresrückblick erwähnen sollte. Schließlich entschied ich mich aber doch dafür. Der Abschnitt über die Trennung gleicht daher ein wenig einem Tagebucheintrag. Es hat mir aber geholfen, über diese Zeit hinwegzukommen.

Schlussgedanken

Ich hoffe, der kleine Ausflug in die Welt der Gefühle hat dir gefallen und gezeigt, was für ein fantastisches Werkzeug ein Blog sein kann. Er ist eben nicht nur ein Content-Marketing-Tool, sondern auch eine tolle Möglichkeit, um Gefühle auszudrücken und zu verarbeiten.

Wofür nutzt du deinen Blog hauptsächlich? Und könntest du dir vorstellen, über Gefühle zu bloggen? Schreib’s mir gerne in die Kommentare.


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