KI-Texte: Sind Blogger*innen bald überflüssig?

KI-Texte: Sind Blogger*innen bald überflüssig?

Mit Künstlicher Intelligenz (KI) ist es heutzutage möglich, innerhalb weniger Minuten ganze Blogartikel zu erstellen. Diese sind auf den ersten Blick nicht von einem selbstgeschriebenen Artikel zu unterscheiden und häufig auch suchmaschinenoptimiert.

Doch was bedeutet das für uns Bloggende? Können wir jetzt einpacken?

Dieser Frage bin ich in diesem Beitrag nachgegangen. Du erfährst,

  • warum ich mir von einer KI das Bloggen nicht abnehmen lasse
  • was mich das Bloggen gelehrt hat
  • wieso KI-Artikel seelenlose Zombieartikel sind

Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade „Texten mit KI – Kuriosität oder Zukunftstrend?“ von Nicole Isermann. Du kannst noch bis zum 6. November 2022 teilnehmen.

Mir ist was Kurioses passiert

Seit einigen Wochen treibe ich mich in einem Schreibforum herum. Ich bin dort ein Exot, da ich hauptsächlich Texte im Non-Fiction-Bereich schreibe, während die anderen Leute im Forum eher Autor*innen von Geschichten sind. Aber das ist okay für mich. Früher habe ich ja selbst Geschichten verfasst, weshalb ich trotzdem mitreden kann.

Natürlich habe ich auch erwähnt, dass ich es liebe, zu bloggen. Es gibt sogar eine kleine Ecke für Blogger*innen in diesem Forum, in der ich mich besonders gerne herumtreibe. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass Sachtexte von einigen als weniger kreativ und spaßig angesehen werden. Man schreibt eben Blogartikel, weil’s dazugehört. Aber so richtig leidenschaftlich? Fehlanzeige!

Neulich habe ich mich dort mit anderen darüber ausgetauscht, dass ich gerade einen Newsletter und Social-Media-Beiträge texte, als mich eine Privatnachricht erreichte. Eine Userin machte mich freundlich auf eine Website aufmerksam, auf der man innerhalb weniger Minuten mittels eines KI-Texters ganze Blogartikel entwerfen kann.

Ich war baff und konnte gar nicht glauben, was ich da las. Neugierig, wie ich bin, habe ich den Generator natürlich sofort ausprobiert. Und ich war zutiefst erschüttert.

In zwei Minuten zum ersten Entwurf

Was dieser KI-Texter mir auswarf, war überraschend gut. Mit nur wenigen Klicks erstellte mir die Website hochwertig geschriebene Blogartikel, die ich selbst nicht besser hätte formulieren können.

Mein erster Gedanke war: „Ach du Scheiße! Wenn jetzt sogar eine KI bloggen kann, haben wir Bloggende dann überhaupt eine Zukunft? Werden Texter*innen, Autor*innen, Journalist*innen und Co. irgendwann durch solche Generatoren ersetzt?“

Schnell wurde mir klar: Obwohl ich für einen Blogartikel ungefähr vier Stunden benötige und mit der Hilfe einer KI deutlich schneller fertig wäre, ist das keine Option für mich. Für mich ist das Bloggen keine lästige Pflicht, die ich mir abnehmen lassen möchte. Für mich ist es eine Leidenschaft, ein Ventil und ein Sprachrohr nach draußen.

Mim lächelnd vor dem PC
Bloggen ist für mich mehr, als nur informative Artikel zu tippen.

Die Erfahrungen zählen

Ich blogge nicht, um zu informieren, sondern um meine Meinung auszudrücken und Erfahrungen festzuhalten. Ich würde nie über etwas bloggen, zu dem ich keinen persönlichen Bezug habe. Das heißt, früher hab ich das ein paar Mal gemacht, aber dementsprechend minderwertig waren dann auch die Ergebnisse.

Bloggen ist heilsam. Es hilft mir, durch harte Zeiten zu kommen und mich abzulenken. Und das nicht einmal unbedingt, indem ich die genauen Ursachen schildere, warum es mir schlecht geht.

2015 in meiner schweren Krise war das Bloggen mein rettender Strohhalm, der mir half, wieder auf die Beine zu kommen und einen Sinn im Leben zu finden. Damals schrieb ich Buchrezensionen und Horrorkurzgeschichten. Das hat mir geholfen, auf andere Gedanken zu kommen und nicht zu grübeln.. Ich lernte zudem, meine Gefühle zu verarbeiten, indem ich Texte schrieb.

Ende 2021 begleitete mich mein Blog durch die Trennung von meinem langjährigen Partner. Ohne das Schreiben wäre ich in dieser Zeit wohl durchgedreht. Ich verfasste damals meinen Jahresrückblick, in dem ich die Trennung auch kurz erwähnt habe.

Außerdem kann man durch das Bloggen eine Menge lernen. Ich bin dadurch selbstbewusster geworden und liebe mich heute so, wie ich bin. Meine panische Angst vor sozialen Situationen habe ich ebenfalls reduziert und kann gleichzeitig besser mit Kritik umzugehen. Und ich nehme heute Lob an, auch eine Fähigkeit, mit der ich mir lange schwergetan habe.

KI-Texte sind informativ und sprachlich hochwertig. Aber sie ersetzen nicht die Entwicklung, die ich als bloggende Person durchmache. Sie ersetzen nicht die vielen Erfahrungen, die ich sammle, all die Skills, die ich mir dadurch aneigne.

Und KI verstehen nichts von Storytelling.

Seelenlose Zombieartikel

Storytelling ist nämlich nicht nur in Newslettern oder Social-Media-Posts wichtig, sondern auch in Blogartikeln.


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Eine persönliche Geschichte, die einen Blogpost einleitet und zum Thema hinführt, ist Gold wert. Sie zieht deine Lesenden direkt ins Geschehen. Menschen lieben Geschichten, das liegt in unserer Natur. Schon früher haben sich die Menschen am Lagerfeuer Geschichten erzählt. Und das kann eine KI eben nicht. Denn sie hat ja keine Ahnung von deinem Leben und deinen Erlebnissen. Sie kann nur Worthülsen aneinanderreihen.

Dabei ist das Persönliche in unseren Beiträgen doch das, was einen Blogpost ausmacht. Seine „Seele“. KI-generierte Texte sind im Vergleich dazu seelenlose Zombieartikel (oh ja, dieser Begriff gefällt mir). Schön formulierte Zombieartikel, aber eben doch Zombieartikel.

Und meine Lesenden haben etwas Besseres verdient. Schließlich schenken sie mir ihre Zeit und Aufmerksamkeit. Da speise ich sie bestimmt nicht mit einem KI-generierten Blogartikel ab, den ich innerhalb von einer halben Stunde zusammengeklickt habe.

Deshalb sind wir nicht überflüssig

Fassen wir nochmal zusammen:

  • KI-Generatoren erstellen schön formulierte, informative Blogartikel innerhalb weniger Minuten.
  • Ich blogge nicht (nur), um zu informieren, sondern in erster Linie, um mich selbst auszudrücken und weiterzuentwickeln.
  • Das Bloggen hat mir durch schwere Zeiten und Krisen geholfen.
  • Hinzu kommt, dass ich durch das Bloggen selbstbewusster, kritikfähiger und sozialer geworden bin. Außerdem liebe ich mich heute, so wie ich bin, und kann Lob annehmen.
  • KI können kein Storytelling. Dabei sind persönliche Erfahrungen die „Seele“ eines Blogartikels.

Ich bin überzeugt, dass KI in Zukunft häufiger beim Schreiben eingesetzt werden. Aber Blogger*innen, Autor*innen, Journalist*innen und Texter*innen können durch sie nicht ersetzt werden. Schreiben ist immer noch eine Kunst, die erst durch eine persönliche Note so richtig zur Geltung kommt.

Zudem wird es immer Menschen geben, die es lieben, zu schreiben. Und die werden sich das auch nicht wegnehmen lassen.

Wenn du jetzt auch neugierig aufs Bloggen bist, aber noch ein ganzer Schwarm an Fragen in deinem Kopf herumgeistern, dann schau dir gerne mal meinen „Blog-Briefkasten“ an. Da kannst du deine Fragen „einwerfen“ und bekommst eine ausführliche Antwort von mir zurück – und das alles bequem per E-Mail.

PS: Dies ist übrigens mein 50. Blogartikel auf still & sensibel.


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4 Kommentare

  1. Liebe Mim, ich habe auch schon zwei KI-Texter ausprobiert und es ging mir ähnlich wie dir: Ich war erstaunt, was mir die KI in Windeseile an Content und tollen Formulierungen ausgespuckt hat. Aber wie du schon richtig sagst: Es sind seelenlose, rein informative Texte. Die KI kann kein Storytelling und somit wird sie persönliche Blogartikel nicht ersetzen können. Obwohl ich dich noch nie gesehen habe, aber schon sehr viele deiner persönlichen Texte gelesen habe, sie kommentiere und auf deine Gedanken Bezug nehme, gehe ich mit dir in Verbindung. Bloggen mit persönlicher Note hingegen schafft echte Verbindungen. Schön, dass ich dich entdeckt habe.

    1. Liebe Yvonne,

      vielen Dank für dein Feedback.

      War bei den beiden KI-Textern zufällig Neuroflash dabei? Das war der, den ich ausprobiert habe.

      Oh ja, das freut mich auch so sehr, dass wir in Verbindung sind, Yvonne. Ich bin da ganz deiner Meinung. Persönliche Texte schaffen echte Verbindungen. Weil in jedem (persönlichen) Text steckt ja ein kleines Stück von der Person, die ihn geschrieben hat.

      Ganz liebe Grüße
      Mim

  2. Liebe Mim,

    ein toller Text mit eigener Meinung und Note! Das kann keine KI da hast du absolut Recht. Ich blogge und podcaste auch und kann mir ebenfalls nicht vorstellen dafür eine KI zu verwenden. Und wie du schreibst, bin ich auch der Meinung dass KIs keine Erlebnisse schildern können. Das können nur Menschen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass mir die KI dabei hilft die Teaser-Texte für Social Media oder den Vorspann und Bildunterschriften abnehmen kann. Dann arbeitet sie mit meinen Informationen und das Schreiben und Beschreiben der Erlebnisse, die Kreativität bleibt dennoch bei mir.
    Die Blogparade hatte ich auch entdeckt, ich hoffe ich finde die Zeit und kann noch mitmachen.

    Grüße
    Valerie

    1. Hallo Valerie,

      erst mal vielen Dank für dein liebes Feedback.

      Ja, da sind wir wohl einer Meinung. Ich kann mir bei Teaser-Texten für Social Media auch eher vorstellen, eine KI zu benutzen, als für einen Blogartikel oder Newsletter. Dennoch bin ich momentan noch nicht bereit dazu. Ich bringe mir nämlich zurzeit selbst das Werbetexten bei und da kann man bei Teaser-Texten so schön üben. 😀

      Ganz liebe Grüße
      Mim

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