6 Mythen über Introvertierte – und die Wahrheit dahinter

6 Mythen über Introvertierte

Werbung | Immer wieder müssen wir Introvertierte uns mit Mythen und Vorurteilen auseinandersetzen. Das kann mitunter sehr viel Kraft kosten, da wir uns ständig erneut erklären und rechtfertigen müssen.

Hinzu kommt, dass viele Introvertierte durch diese Vorurteile geprägt werden und sie sogar selbst glauben. Vor allem im jungen Alter haben Introvertierte damit zu kämpfen. Das ging mir sehr lange auch so.

Den sechs größten Mythen über Introvertierte bin ich in diesem Artikel mal auf den Grund gegangen. Was steckt wirklich dahinter?

Mythos #1: Introvertierte sind schüchtern

Ich weiß gar nicht, wie oft ich es schon gesagt habe, aber ich wiederhole es gerne noch mal: Introversion und Schüchternheit sind nicht dasselbe.

Introversion ist ein angeborenes Temperament, das nicht abgelegt werden muss und kann.

Schüchternheit ist eine Form der sozialen Angst und kann abgelegt werden, z. B. mit einer Therapie oder regelmäßigem Üben.

Im Gegensatz zu Introvertierten, haben schüchterne Menschen meist einen Leidensdruck. Sie wären gerne geselliger und kontaktfreudiger, sind aber gehemmt und wissen nicht, wie sie das anstellen sollen.

Weil sich dieser Mythos so hartnäckig hält, habe ich dem Thema mal einen ganzen Blogartikel gewidmet.

Ich möchte aber noch etwas hinzufügen: Tatsächlich ist es so, dass schüchterne Menschen häufiger introvertiert, als extrovertiert sind (obwohl es beides gibt). Dafür gibt es verschiedene Auslöser, denen ich ebenfalls auf den Grund gegangen bin.

Mythos #2: Introvertierte hassen Menschen

Genau, und alle Introvertierte sind asoziale Psychopathen. Nein, natürlich nicht!

Es gibt introvertierte Menschen, die den Kontakt zu anderen scheuen, aber das hat dann meist andere Gründe als ihre Introversion an sich. Die meisten Introvertierten mögen Menschen. Sie mögen sie nur nicht in Massen um sich herum und wenn, dann nur für eine begrenzte Zeitspanne.

Wir Introvertierten ziehen uns nicht zurück, weil wir Menschen hassen, sondern weil wir unter ihnen viel Energie verlieren. Wenn wir Zeit allein verbringen, können wir neue Kraft tanken. Das ist der Hauptgrund, warum Introvertierte sich gerne zurückziehen. Zur Regeneration, nicht aus Ablehnung.

Mythos #3: Introvertierte sind unglücklich/depressiv

Dieser Mythos beruht auf einem Missverständnis. Um den Ursprung des Mythos zu verstehen, müssen wir uns Extrovertierte anschauen.

Extrovertierte tanken neue Energie, indem sie sich unters Volk mischen. Sich mit anderen Menschen auszutauschen und zu interagieren, gibt Extrovertierten einen Kraftschub und macht sie glücklich. Wenn Extrovertierte unglücklich oder gar depressiv sind, neigen sie dazu, sich zurückzuziehen (oder ihre Gefühle zu überspielen, aber das ist wieder ein anderes Thema).

Wenn wir eine Situation einschätzen wollen, ziehen wir oft Rückschlüsse aus unserem eigenen Verhalten. Das bedeutet, dass Extrovertierte oftmals denken, dass Introvertierte unglücklich sind, wenn diese sich zurückziehen. Eben, weil sie es von sich selbst so kennen.

Dabei übersehen sie, dass Introvertierte ja ganz anders mit ihrer Energie haushalten müssen. Wie ich oben schon geschrieben habe, brauchen Introvertierte die Abgeschiedenheit, um neue Kräfte zu tanken.

Allerdings können natürlich auch Introvertierte depressiv werden. Das ist in der Regel dann schwieriger zu erkennen, als bei Extrovertierten. Wenn du eine introvertierte Person kennst, die sich plötzlich sehr verändert, z. B. extrem isoliert, leicht reizbar ist oder an nichts mehr Freude hat, können das Anzeichen für eine Depression sein. In diesem Fall darfst du mit der introvertierten Person das Gespräch suchen und mal ganz vorsichtig nachfragen, ob es ihr wirklich gut geht.


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Mythos #4: Introvertierte sind arrogant/unfreundlich

Meine Ex-Schwiegermutter hielt mich für einen furchtbaren Menschen. Warum? Weil ich so ruhig war. Regelmäßig beschwerte sie sich darüber. Sie fand mich faul, arrogant, unsympathisch. Dabei gab ich mein Bestes, mich ihr gegenüber stets höflich und nett zu verhalten (was mir nicht immer leicht gefallen ist *hust*).

Sie hat sich sogar bei meiner Mutter über mich beschwert, weil ich immer so ruhig sei und nicht mit ihr reden würde. Die Wahrheit war: Ich wusste einfach nicht, was ich der Frau erzählen sollte. Vom Typ her bin ich eher zurückhaltend und mein Partner hatte mich schon vorgewarnt, dass seine Mutter vor allem sich selbst gerne reden hört. Also habe ich ihr zugehört, gelächelt, genickt.

Aber es gab einfach nichts, was ich ihr hätte erzählen können. Sie interessierte sich nicht wirklich für mein Leben und etwas wirklich Spannendes hatte ich auch nicht beizusteuern.

Warum erzähle ich das?

Weil es ein typisches Beispiel dafür ist, dass introvertierte Zurückhaltung mitunter als Arroganz oder Unfreundlichkeit gedeutet wird. Dabei ist es nichts von beidem. Wir reden nur einfach nicht auf Knopfdruck und müssen häufig erst mit einer Person warm werden.

Wenn ich das Gefühl habe, dass die andere Person sich sowieso nicht dafür interessiert, was ich zu sagen habe oder ich mich auch einfach nicht richtig wohlfühle, dann mache ich dicht. Selbst wenn ich etwas sagen wollte, ist mein Kopf dann absolut blank.

Und mir dann Sprüche zu drücken wie: „Jetzt erzähl doch auch mal was!“, macht es nicht besser. Im Gegenteil.

Mythos #5: Introvertierte können extrovertiert werden

Wie schon bei Mythos #1 angeführt, ist Introversion angeboren, genauso wie eine bestimmte Augenfarbe oder Haarfarbe angeboren ist. Sie kann sich zwar im Laufe des Lebens in der Intensität verändern (oder man kann sich selbst verstellen), aber ein introvertierter Mensch wird immer ein introvertierter Mensch bleiben.

Denn, wie ebenfalls zuvor erwähnt, schöpft eine introvertierte Person neue Energie aus der Zurückgezogenheit und das wird sich auch nicht ändern.

Allerdings werden viele Introvertierte mit der Zeit selbstsicherer und mutiger. Es kann sogar vorkommen, dass sie von außen gar nicht mehr als Introvertierte wahrgenommen werden. Allerdings basiert dies meist wieder auf Mythos #1: der Verwechslung von Schüchternheit und Introvertiertheit.

Mythos #6: Introvertierte reden nicht gerne

Frag mich was zum Thema Bloggen und ich beweise dir, dass dieser Mythos definitiv falsch ist. *grins*

Es stimmt: Introvertierte sind oft eher ruhige Zeitgenoss*innen und bevorzugen es, zu beobachten und zuzuhören.

Aber das heißt noch lange nicht, dass wir nicht gerne reden. Wir brauchen nur das richtige Thema, die richtige Umgebung und die richtige Stimmung. Und dann können wir zu richtigen Quasselstrippen mutieren.

Allerdings mögen wir vorwiegend tiefgründige Gespräche. Mit Small Talk können wir nicht viel anfangen. Außerdem öffnen wir uns eher, wenn wir mit wenigen Menschen zusammen sind, bei denen wir uns wohlfühlen.

Es gibt aber auch Introvertierte, die als Redner die Bühnen der Welt rocken. Der erfolgreiche Unternehmer Matthew Pollard ist da ein gutes Beispiel. Er hat sogar ein Buch darüber geschrieben, wie Introvertierte erfolgreich netzwerken können: „Der Pfad der Introvertierten zum Networking“ * Außerdem habe ich mit der (ebenfalls introvertierten) Verlegerin und Übersetzerin der deutschen Ausgabe seines Buches, Ricarda Colditz, ein Interview geführt.

Schlussgedanken

Wenn du introvertiert bist, sind dir die oben genannten Mythen sicher auch schon begegnet. Damit machen wir alle früher oder später Erfahrungen. Und es kann ziemlich viel Kraft kosten, sich immer wieder zu erklären und zu rechtfertigen.

Wenn du möchtest, kannst du dir den Link zu diesem Artikel speichern und wenn du wieder einmal in solch eine Situation kommst, kannst du einfach auf diesen Blogbeitrag verweisen. Das werde ich zukünftig nämlich auch tun.

Natürlich waren das jetzt nur ein paar der wichtigsten Mythen, aber es gibt noch viele weitere. Welcher Mythos über Introvertierte geht dir ganz besonders auf die Nerven? Schreib’s mir gerne in die Kommentare unter diesem Blogpost. Ich freu mich riesig auf dein Feedback.


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